Psychotherapeutische Praxis - Renée Christine Flint
Aktuelle Psychotherapiereform

Zum 01.04.2017 ist eine Psychotherapiereform in Kraft getreten. Damit sind einige Änderungen verbunden, die gesetzlich Versicherte betreffen:

1. Alle PsychotherapeutInnen mit Kassensitz sind verpflichtet, Zeiten anzubieten, in denen Sie oder entsprechendes Praxispersonal telefonisch für Terminvereinbarungen erreichbar sind.

2. Alle PsychotherapeutInnen mit Kassensitz sollen mindestens 2 Sprechstundentermine in der Woche anbieten, um Versicherten einen raschen Zugang zu einer psychologischen Ersteinschätzung und Beratung anzubieten.

3. Die Kassenärztliche Vereinigung bietet Terminservicestellen an, die Termine für psychologische Sprechstunden bei Psychotherapeut/innen anbieten können, falls Sie selbst keinen bekommen sollten. Das kann dann jemand sein, den/die sie mit öffentlichen Verkehrsmitteln in 30 Minuten erreichen können, und die Person ist nicht von Ihnen selbst gewählt.

4. Es sollen 2 bis 4 probatorische Sitzungen durchgeführt werden, bevor ein Antrag auf Psychotherapie gestellt wird.

5. Die Kurzzeittherapie wird aufgeteilt in zunächst 12 Sitzungen. Während dieser können gegebenenfalls noch einmal 12 Sitzungen beantragt werden. Im Bedarfsfall kann vor Ablauf der 24. Sitzung eine Umwandlung in Langzeittherapie beantragt werden.

6. Für eine Langzeittherapie können direkt oder über Umwandlung 60 Sitzungen beantragt werden. Hier schaltet die Krankenkasse zur Prüfung eine/n GutachterIn ein. Es kommt in letzter Zeit gehäuft vor, dass Gutachter/innen weniger Sitzungen bewilligen, als beantragt wurden. Bereits erfolgte Sitzungen aus Kurzzeittherapie werden auf das Sitzungskontingent angerechnet.

7. Es können insgesamt bis zu 80 Sitzungen beantragt werden. Dazu müssen vor Ablauf der 60 genehmigten Sitzungen weitere 20 Sitzungen bei der Krankenkasse beantragt werden. Die Krankenkasse kann hier selbst entscheiden, ob sie zur Überprüfung eine/n Gutachter/in einschaltet. Bei Ablehnung besteht die Möglichkeit, Widerspruch einzulegen. Dann wird ein/e (Ober-)Gutachter/in eingeschaltet.

8. Zusätzlich wird neu die Akuttherapie eingeführt. Diese setzt die Durchführung von mindestens 2 Sprechstundenterminen voraus und umfasst dann 12 Sitzungen. Die Akuttherapie muss nicht beantragt und genehmigt, sondern der Krankenkasse nur angezeigt werden. Sie ist dann möglich, wenn eine Therapie innerhalb von 14 Tagen nach der Sprechstunde begonnen werden kann und eignet sich für akute Kriseninterventionen.

Allgemein: In jedem Fall ist zur Antragstellung ein Ärztlicher Konsiliarbericht erforderlich. Diesen erhalten Sie vor der Antragstellung von dem/der Psychotherapeut/in, damit Sie ihn bei Ihrem Hausarzt oder Hausärztin zum Ausfüllen abgeben können. Der Arzt oder die Ärztin sollte hier bereits bekannte körperliche Erkrankungen eintragen. Es soll auch überprüft werden, ob die psychische Problematik möglicherweise körperliche Ursachen hat, wie z.B. eine Schilddrüsenerkrankung oder Eisenmangel. Den ausgefüllten Bericht geben Sie dann bei der/dem Psychotherapeut/in wieder ab. Die Antragsformulare werden dann gesammelt von dieser/diesem an Ihre Krankenkasse geschickt. Bitte stellen Sie sicher, dass Ihr Versicherungsverhältnis auf dem aktuellen Stand ist.